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Die Poetikdozentur 2026 geht an: Gunther Geltinger

Inhaber der Poetikdozentur TransLit im Wintersemester 2026/27 ist Roman-, Essay- und Hörspielautor Gunther Geltinger. Nach seinem Drehbuch- und Dramaturgie-Studium an der Universität für Musik und Darstellende Kunst in Wien führte ihn ein weiteres Studium an die Kunsthochschule für Medien in Köln. Hier und auf Rügen lebt und arbeitet der 1974 in Erlenbach am Main geborene Schriftsteller derzeit.

Der mit mehreren Preisen und Stipendien ausgezeichnete Autor ist vor allem mit drei prominent bei Suhrkamp verlegten Romanen hervorgetreten, nämlich: Mensch Engel (2008), Moor (2013) und Benzin (2019). Gegenwärtig arbeitet er an einem vierten Roman, der sich mit der Landschaft Mecklenburg-Vorpommerns als Gedächtnisort intergenerational vermittelter Traumata nach dem Zweiten Weltkrieg auseinandersetzt.

Die Poetikdozentur TransLit gibt solchen Schriftsteller:innen ein Forum, welche die Wechselbeziehung von Medien in den Blick nehmen und transmedial arbeiten. In diesem Sinne steht das Medium ‚Landschaft‘ und seine literarische, essayistische, erzählerische Versprachlichung bei Gunther Geltinger besonders im Fokus. Bei der Lesung im Literaturhaus (2. Dezember 2026, 19:30 Uhr) wird dieser Aspekt durch Klanginstallationen des Komponisten und Klangkünstlers Gerriet K. Sharma ergänzt, in welchen dieser die Erzählräume akustisch auslotet.

Im Raum entfalten sich bei Geltinger die Leben seiner Figuren, die in einer dichten, oft metaphorischen Spannung zur von ihnen erlebten Landschaft stehen. Schwules beziehungsweise queeres Leben wird hier als räumliche Selbstbehauptung dargestellt. Gleichzeitig offenbart sich ein solches Leben bei Geltinger stets als bedroht, als fragil, als von externer und internalisierter Gewalt geprägt und gestört. In diesem Sinne stehen – in einer Alan Downs entlehnten Formulierung – ‚the Velvet Rage‘ und die aktive Bewältigung der Entfremdungserfahrung, als queerer Mensch in einer heteronormativen Welt aufzuwachsen, vielfach im Zentrum seines Schreibens.

In seinen Poetikvorlesungen wird sich Geltinger aus poetologischer Sicht mit der medialen Übertragung des Erfahrungsraums in Literatur und mit deren Aufgabe, ein ästhetischer Störfaktor reibungsloser Weltwahrnehmung zu sein, auseinandersetzen. Die produktive Spannung zwischen dem Ausgangspunkt Welterfahrung einerseits und fiktionaler, literarischer Welterzeugung andererseits wird in den Vorträgen als transformativer Vorgang erkundet. Unter den titelgebenden Aspekten schauen | lauschen | sprechen sollen mediale Vorgänge zwischen Erleben und Beleben, zwischen aisthesis und mimesis erkundet werden, wobei die Notwendigkeit im Zentrum steht, die Normalität dieser Wahrnehmungen zu unterwandern und zu queeren. Der Landschaft als komplexem, kulturellem Zeichensystem, als vom Menschen geprägte Kulturlandschaft, widmet sich dann die zweite Poetikvorlesung unter dem Titel gehen | stolpern | staunen. Diese berührt zugleich die Grundstruktur nicht nur der bisher erschienenen Romane Geltingers, sondern auch sein aktuelles Romanprojekt. In „Mauringa“ (Arbeitstitel) wird die Geschichte einer Fünfzehnjährigen auf der Folie der Naturgeschichte einer Landschaft in Mecklenburg-Vorpommern im Zusammenhang der politischen, sozialen und kulturellen Verwerfungen während des Zweiten Weltkriegs erzählt, in denen die Ideologie die Landschaft vereinnahmt.

Termine

 

  1. 2. Dezember 2026, 19:30 Uhr: 

    Lesung und Gespräch mit Gunther Geltinger. Ort: Literaturhaus Köln. Klangkunst von Gerriet K. Sharma. Moderation: Thorsten Dönges. (Eintritt: 12€/ermäßigt 10€; Mitglieder 8€) https://literaturhaus-koeln.de/programm/translit-lesung-und-gespraech-mit-gunther-geltinger/02-12-2026/

  2. 13. Januar 2027, 18:30 Uhr: 

    1. Poetikvorlesung: schauen | lauschen | sprechen. Literarisches Schreiben und Medialität, Ort: Hörsaal XVIII, Hauptgebäude der Universität zu Köln. Eintritt frei.

  3. 20. Januar 2027, 18:30 Uhr: 

    2. Poetikvorlesung: gehen | stolpern | staunen. Landschaft als Medium, Ort: Tagungsraum (EG, links) des Neuen Seminargebäudes. Eintritt frei.

  4. Schreibwerkstatt (nicht öffentlich) im Rahmen des TuPpS-Studienganges des IdSL I der UzK.

 

Veranstalter

Institut für Deutsche Sprache und Literatur I
Philosophische Fakultät
Universität zu Köln
Albertus Magnus Platz
D-50923 Köln

Wissenschaftliche Leitung

Prof. Dr. Christof Hamann

Dr. Fabian David Scheidel