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Poetikdozentur der Universität zu Köln geht 2019 an Kathrin Röggla!

TransLit-Professorin 2019 - Kathrin Röggla

„Die Suche nach einem Blick auf die Welt, wie sie ist, ist die Suche nach einer besseren Welt.“

(Röggla: Die falsche Frage, 2014)

Die in Österreich geborene und in Berlin lebende Autorin und TransLit-Professorin Kathrin Röggla schreibt Prosa, Hörspiele, Essays und Theatertexte. Bereits während ihres Germanistik- und Publizistik-Studiums, das sie nach eigenen Worten 1999 erfolgreich abbrach, entstanden erste literarische Arbeiten in Literaturzeitschriften und Anthologien, 1995 veröffentlichte sie ihren ersten Prosaband niemand lacht rückwärts.

Seit 1998 verfasst und produziert Röggla auch Radioarbeiten, die von akustischen Installationen über Netzradioprojekte bis zu Hörspielen reichen, wie das 2011 in Zusammenarbeit mit Leopold von Verschuer entstandene Hörbuch Publikumsberatung, in dem die zahlreichen rhetorischen Mittel der öffentlichen intellektuellen Rede persifliert werden. Seit 2002 schreibt Röggla auch Theatertexte wie bspw. wir schlafen nicht von 2004, in dem sie einen kritischen Blick auf die Unternehmensberatungsbranche wirft oder Der Lärmkrieg von 2013, in dem BefürworterInnen, GegnerInnen und BürgerInnen die Planungen zum Ausbau des Frankfurter Flughafens zum Anlass nehmen, vor allem über ihre persönlichen Befindlichkeiten, Bedürfnisse und Forderungen zu debattieren. Normalverdiener von 2017 ist laut Röggla „ein Stück, in dem das Reden über Geld mit dem Schweigen über Geld zusammenkommen soll; eine Beschwörung der Finanzkraft von Seiten des untergehenden Mittelstandes, eine Verdrehung der Opfer-Täter-Optik, wie es nur in diesem Milieu vorkommen kann. Ein Stück, in dem die Rede über Märkte andauernd vorhanden ist, auch wenn es scheinbar um anderes geht [...].“ Ihre genre-,  gattungs- und medienübergreifenden Arbeiten reflektiert Röggla immer wieder in ihren theoretischen Essays, wie bspw. in Die falsche Frage. Theater, Politik und die Kunst, das Fürchten nicht zu verlernen von 2014, in dem sie den gesellschaftskritischen Auftrag ihrer Texte klar formuliert: „Ich will Formen des Sprechens finden, die den Gewaltzusammenhang gesellschaftlicher Verhältnisse deutlicher hervortreten lassen und gleichzeitig unterlaufen. Dass dabei das Uneingelöste eine gewaltige Rolle spielt, versteht sich von selbst.“

Signum von Rögglas Werk ist das transmediale Arbeiten, das nach der sprachlichen und medialen Repräsentation von Gegenwart fragt. Ihre Texte thematisieren nicht nur aktuelle, häufig zu Medienereignissen stilisierte Themen, wie etwa die Angriffe auf das World Trade Center in really ground zero von 2001, sondern wechseln selbst beständig das Medium. Besonders augenfällig wird das Prinzip der Transmedialität in Rögglas zunächst 2009 uraufgeführtem Theaterstück die beteiligten, das 2010 unter dem Titel wilde jagd im Prosaband die alarmbereiten erschien. Dieser wiederum basiert auf der gleichnamigen Hörspielproduktion für den Bayrischen Rundfunk, die im August 2009 zum Hörspiel des Monats gewählt wurde. In die beteiligten/wilde jagd nimmt Röggla den Fall des Entführungsopfers Natascha Kampusch zum Anlass, um die auf Sensation und Voyeurismus ausgerichteten Mechanismen der Mediengesellschaft vorzuführen, die alles und jeden zu ihrem Objekt machen. Denn wie die reale Kampusch vom Vorzeigeopfer der Medien zu einer Person wurde, mit der „irgendwas nicht stimmt“, da sie sich so gar nicht als Opfer benehmen wollte, so heften sich auch bei Röggla alle Figuren parasitär an das Sensationelle des Entführungsfalls des „mädchens“ und versuchen, daraus Profit zu schlagen.

Ausgezeichnet wurde Röggla u.a. mit dem Salzburger Landesliteraturpreis (1992), dem New-York-Stipendium des Literaturfonds (2001), dem Preis der SWR-Bestenliste, dem Nestroy 2010 für das beste Stück (worst case), dem Franz-Hessel-Preis (2010) und dem Arthur-Schnitzler-Preis 2012. 2014 hielt sie die dritte Saarbrückener Poetikdozentur, 2017 hatte sie die Poetik-Professur an der Universität Bamberg inne. Seit 2012 ist Röggla Mitglied der Akademie der Künste in Berlin und seit Juni 2015 deren Vizepräsidentin; seit November 2015 ist sie Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung in Darmstadt.